Jörn Keseberg

Jörn Keseberg

Foto: Eberhard Zummach

Karin Schlechter über Jörn Keseberg anlässlich der Ausstellung "La lumière éclaircit l`âme" im im artclub, Juni 2014
 
"...tritt hervor, so dass ich dich sehen kann
klaräugiges überwintertes Licht
du einziges das leuchten kann
(Paal-Helge Haugen)
 
Jörn Keseberg, im folgenden JK genannt, sammelt Dinge,
gewöhnliche und ungewöhnliche. Er findet Dinge, Sachen, die eine Geschichte erzählen. Und die Sachen finden ihn.
Merkwürdige und denkwürdige Sachen. Sachen, die zu Denken geben.
Dann  tut er etwas mit den Sachen, baut sie um,
auf, ab oder aneinander, er setzt sie zu Objekten zusammen,
und aus diesen Objekten setzt er wiederum Räume zusammen.
Jörn Keseberg ist auch ein „Sachensager“. Wenn Sie ihn fragen,
erzählt er Ihnen zu jedem Bild / Objekt etwas, wie es sich zugetragen hat, es öffnen sich diverse Universen, denen Sie lauschen können.
Man könnte JK als einen Bricoleur bezeichnen, wie die Franzosen es sagen würden.
Die Begriffe Bricolage und Bricoleur gehen auf den französischen Ethnologen Claude Lévi-Strauss zurück, der in Frankreich in den 60er Jahren ein Konzept des „Wilden Denkens“ entwickelte.
Hier, unten im Kabinett, können Sie in in das wilde und zugleich poetische Denken von JK eintreten.
Die Raumarbeit wurde inspiriert und erhellt durch eine Frankreichreise JK´s, kürzlich, zu seinem dort
lebenden Bruder, und auch an andere Orte seiner Geschichte und Biographie.
 
Das Licht erhellt die Seele
La lumière éclaircit l`âme...
 
In der Mitte des Raumes ein Stahlträger, und darauf hat JK ein altes Martinshorn geschweißt.
Dann ein merkwürdiges viereckiges Glasteil aus der ehemaligen Reprotechnik-Firma seines Bruders, eine sogenannte „Filmansaugscheibe“, war sehr teuer, ist aber jetzt ein Loch drin, in der Mitte, wie JK berichtet.
Und weiter (Zitat): „Da, will ich Licht durch schicken mit einer optischen Bank mit Linsen drauf, ist ein
bisschen wie im Physikunterricht, und nach der Seele muss ich noch Ausschau halten, wo die sich wieder verkrochen hat um Erhellung zu erfahren.“
Alle Objekte, Malerei und Texte von JK, die Sie im Kabinett sehen und hören, sind um dieses merkwürdige Ding herum angeordnet.
Die Objekte blicken uns an, irgendwie unheimlich, wie uralte Rätsel, sie blicken sich auch gegenseitig an, als wollten sie etwas erhellen und anderes im Dunkel lassen.
Es gibt verschiedene Lichtquellen und Blickpunkte im Raum.
Und auch durch das Loch des merkwürdigen Objektes in der Mitte des Raumes hindurch fällt ein
Lichtstrahl.
Das Zentrum des Raumes ist ein Loch.
Vielleicht ist das Zentrum der Seele auch ein Loch, denke ich.
Was wäre, wenn dieses Loch als eine Art Scharnier funktionieren könnte, als Knotenpunkt,
der alles andere drumherum organisieren könnte?
Als ein merkwürdiger Quellpunkt, Verknüpfungspunkt, der notwendigerweise undarstellbar bliebe,
und in dem sich Fäden des Lebens kreuzen und verweben?
Ich weiß nicht, ob Sie die Chaospendel von JK kennen, die mir in diesem Zusammenhang einfallen.
Seit ich eines in seinem Atelier sah, lässt es mich nicht mehr in Ruhe.
Sie werden die Chaospendel hier in der Ausstellung nicht finden, und es ist jetzt auch nicht wichtig, wie die Drehdinger genau aussehen.
Es geht mir mehr um die Funktionsweise, und was diese merkwürdigen Dinger mit der Arbeit, die wir hier im Kabinett sehen, zu tun haben könnten: Ein Chaospendel wird zusammengehalten durch einen
Mittelpunkt, um den herum sich die ganze Chose dreht. Man dreht es kurz und kräftig an, und das Pendel beginnt zu schwingen. Die Bewegungen des Pendels schaukeln sich gegenseitig hoch oder löschen sich gegenseitig aus, und deshalb entsteht ein Bewegungsmuster, was wir nicht vorhersagen können.
Könnte die Funktionsweise des Chaospendels mit der Arbeitsweise der Kunstproduktion von JK zu tun
haben? Das Chaospendel als Metapher oder Synonym für die Art und Weise, wie JK seine Kunstwerke
hervorbringt?
Ich stelle mir vor, wie JK´s Rauminstallation La lumière éclaircit l`âme / Das Licht erhellt die Seele
hier und jetzt wie um den Mittelpunkt eines Chaospendels herum organisiert ist, der einen notwendigerweise undarstellbaren Halte- und Knotenpunkt bildet, für die unvorhersehbaren, verrückten Schleifen des
Lebens.
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tritt hervor so dass ich dich sehen kann
klaräugiges überwintertes Licht
 
du einziges, dass leuchten kann

 

Quelle:

Karin Schlechter, Köln

Einzelausstellung im Artclub Köln "La lumière éclaircit l`âme" (Das Licht erhellt die Seele) von Jörn Keseberg
20. Juni 2014

 


 

1958 nahe der dänischen Grenze und Ostsee in einem kleinen Dorf geboren 
mit 3 mon. Umzug nach Köln-Braunsfeld. Kindheit und Jugend im Postwohnheim für spanische und portugiesische Gastarbeiter im belgischen Viertel. Mit 14 Ausstellung von Zeichnungen u. Ölbildern vor dem Zelt der Art Cologne (damals: Neumarkt der Künste)

1979 Segelreise durchs Mittelmeer nach Tunis und Menorca 1981längerer Aufenthalt auf der Ile d´Yeu 4 Semester Architekturstudium an der FH Köln-Deutz und erste Selbstständigkeit mit einem Freund im Handwerk Erwerb und Restaurierung eines alten Zirkuswagen Leben im Wagen auf Industriebrachen und Schrottplätzen in Köln

1982-83 Reise mit dem Wagen und Traktor durch Frankreich. Arbeit im Weinbau, als Restaurator, Waldarbeiter, Debardeur und Ziegenhirte in den Pyreneen. Intensive Zeichenübungen bei Bernard Bistes auf Chateau Mauriac nahe Albi Verkauf des Zirkuswagens. Einjähriger Ausbau eines alten Pyreneenhauses.

 

1986-91 Kunstgeschichtsstudium in Köln

1991 Beendigung des Studiums mit der ZP und Selbstständigkeit mit dem Projekt Readymade / Tischlerei.

1996 Reise nach New York und Washington DC Ende

1998 erste  Ausstellung von künstlerischen Arbeiten in der Tischlerei Modellbau für Simon Ungers, Arbeit für Gerhard Merz

Seit 2000 leben und arbeiten in Ehrenfeld.

Seit 2006 hauptberuflich Künstler, intensive Beschäftigung mit Malerei, Zeichnung, Objektkunst.

2008  Eröffnung eines experimentellen Ausstellungsraums  in Ehrenfeld,    Simrockstr. 30-32

Jörn Keseberg hat drei Kinder (made with love)

seit 2007 Mitglied im artclub

seit 2013 Mitglied im Kunstverein 68elf